kunstfilmtag
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Sa 10. November 2012
Idee und Entstehung des Kunstfilmtages
Text aus dem ersten Programmheft 2007 von Susanne Fasbender
Die Idee des Kunstfilmtages ist es, eine Veranstaltung mit Festivalcharakter zu schaffen, die die Vielfalt des
lebendigen Film- und Videoschaffens der KünstlerInnen in Düsseldorf präsentiert und gleichzeitig überregionale
und internationale Verbindungen in diesem Bereich aufgreift und vertieft.
Der Kunstfilmtag versucht eine Sammlung von Auffassungen in der Bandbreite des künstlerischen Umganges mit
"bewegtem Bild mit Ton", wobei hier neben einigen prägnanten Arbeiten, die deutlich der Medienkunst
zuzuordnen sind, viele Videos und Filme von KünstlerInnen gezeigt werden, die in der Malerei, Graphik,
Bildhauerei, Performance, Fotografie, sowie Poetik und Architektur beheimatet sind und in der Kombination von
Klang, Sprache und bewegtem Bild eine erweiterte Form der Visualisierung suchen.
Der viel bemühte Begriff "Kunstfilm" kann natürlich die notwendige Differenzierung von Video und Film als
Trägermedien und bezugnehmend auf das Spektrum an künstlerischen Auffassungen, theoretischen
Klassifizierungen sowie den durch technische Entwicklungen sich ständig verändernden Umgang nicht
bewerkstelligen. Gemeint ist hier der Künstlerfilm, wobei der Akzent vieler der genreübergreifenden, hier gezeigten
Arbeiten darauf gerichtet ist, den Bildraum als Experimentierfeld und Handlungsraum für den/die KünstlerIn, aber
auch für Objekte und situative Aufzeichnungen zu begreifen. Mit einem erfrischenden Kombinat aus Rücknahme
und Präsenz wird das Medium vielfach hinsichtlich seiner Fähigkeit zur Auffassung von Gefundenem betont und
ihm zugleich in der Reflexion des Mediums selbst eine charmante Beiläufigkeit verliehen.
So war es weniger mein Interesse, durch eine Vorauswahl Schwerpunkte zu setzen, als durch ein offenes Forum
Tendenzen zu erkennen und den Kunstfilmtag als Anziehungspunkt für eine experimentelle Herangehensweise an
das Medium und dessen Präsentation zu verstehen.
Es war mir ein besonderes Anliegen, eine offene Einladung* (mit der Einschränkung einer maximal 12-minütigen
Laufzeit) auszusprechen, um einen Kommunikationsprozess anzuregen, das Prinzip der Zugänglichkeit in beide
Richtungen - VeranstalterInnen wie KünstlerInnen - zu betonen, und so das Programm prozesshaft aufzubauen.
Der Kunstfilmtag versteht sich als freies Künstlerprojekt und steht in der Tradition der von Künstler/innen
organisierten und kuratierten Ausstellungsräume, Initiativen und Veranstaltungen. Auf die besondere Bedeutung
und Geschichte dieser Entwicklung in der Gesellschaft "Kunst" sowie spezifisch in Düsseldorf einzugehen,
bedürfte einer eigenen, umfassenden Beschreibung. Hier beziehe ich mich auf die im direkten Umfeld und in der
Genese zum Kunstfilmtag bestehenden Projekte, wie insbesondere die von Nicola Schrudde in Zusammenarbeit
mit Michael Jonas seit 2 Jahren durchgeführte Veranstaltungsreihe "Open Beamer" im Künstlerverein WP8.
KünstlerInnen werden hier eingeladen, Solo- und Programm-screenings in Eigenregie zusammen zu stellen, was
bisher zu erfolgreichen und sehr gut besuchten Filmabenden führte. Dadurch ist bereits ein umfassendes Archiv
an Künstlerfilmen entstanden - und es ergaben sich natürlich viele Querverbindungen zum Kunstfilmtag.
Besondere Relevanz hat für mich die in vielerlei Hinsicht impulsgebende und kontinuierliche Arbeit von Birgit
Jensen im Vorstand des Künstlerverein Malkasten, die mit ausschlaggebend war für die Realisierung des
Kunstfilmtages als Künstlerprojekt im Theatersaal. Dabei war bereits der "Body in the Blue-Filmtag" im letzten
Jahr 2006 der grundsteinlegende Vorläufer: Mit einem umfassenden Open Air - Filmprogramm, das im Rahmen
der von Kay Kaul und Melanie Richter, WP8, und Annemie van der Zand /Noisivision/NL durchgeführten
Veranstaltungsreihe "Body in the Blue" im Sommer von Jörg Steinmann und mir zusammengestellt worden war,
fanden wir uns - im Dezember - im Theatersaal zu einem großen Künstlerfilmtag zusammen. Was als Sommer-
Open Air in dem geplanten Rahmen nicht realisierbar war, wurde zur Gründung eines Wintertages im Theatersaal,
der im besten Falle als nun neu aufgelegter Kunstfilmtag Kontinuität erhalten sollte.
Dieses Heft begleitet Sie nun durch die eintägige Werkeschau mit einer Vielzahl von höchst unterschied-lichen
und wertvollen Arbeiten. Es würde mich freuen, wenn das Programm in Differenz und Vielfalt sowohl den
KünstlerInnen als auch dem filminteressierten Publikum und Fachpublikum zur Weiterführung des Diskurses zum
Künstlerfilm dient.
In diesem Sinne möchte ich Dr. Frauke Tomczak, Autorin und Filmdozentin, ganz besonders dafür danken, die
Moderation des Programmes gemeinsam mit mir durchzuführen.
Von Bedeutung ist es mir auch, zu betonen, dass der Kunstfilmtag dadurch gewinnt, dass viele KünstlerInnen in
großzügiger und kooperativer Weise ihre Arbeiten zu dem Programm beigesteuert haben.
Ganz besonders freut es mich, dass Georg Elben, Leiter der Videonale in Bonn, den Diskurs zum Künstlerfilm im
Rahmen dieses Projektes aufgreift und den Kunstfilmtag eröffnen wird.
Susanne Fasbender
Dezember 2007
*die offene Einladung galt nur für das Jahr 2007
2007 Entstehung