kunstfilmtag
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Sa 10. November 2012
DIE SPRACHE IST DAS HAUS IN DEM WIR LEBEN
Der Kunstfilmtag stellt in diesem Jahr 2012 ein Programm aus Film- und Videokunst zusammen, durch das
die Sprache uns für einen Tag in Bild und Ton begegnet.
Wir haben die Sprache eingeladen, uns durch Filme zu sagen, wer sie ist, was sie sein könnte, was sie tut
und nicht tut, wo sie steckt, wenn sie uns fehlt, und wo wir sie finden, wenn wir sie suchen. Uns zu sagen,
wie sie spricht. Und ob sie leidet, wenn sie zu Zweck und Taktik zerworfen wird, dem Krieg dient oder den
Absichten des Menschen eingeschrieben wird.
Dieses Haus in dem wir leben, wollen wir ein bißchen untersuchen:
Ist Sprache Erinnerung, Wiedererkennen, ist sie vorhanden als Menge von Begriffen, ist sie ein Spiel der
Signifikate, ist sie Spur, der wir folgen?
Nach der durchweg gültigen Abschaffung von Wahrheit suchen wir nach Aussagen zwischen der Differenz
der Wahrnehmung und dem Schrei der Erfahrung. Wir suchen nach der eigenen Orientierung, die in
alltäglicher Optionierung des unmöglich Möglichhaften eine Aussage macht.
Und: Wir sehen die Sprache der Dinge, der Bilder, des Films:
Der Film mit seiner Vielzahl von Materien wie Musik, Sprache, Bild, Einstellung, Montage, Bewegung und
Zeit, die in ständiger Wechselwirkung zueinander sich verhalten, spiegelt das Komplexe der Welt, die wir
wahrnehmen. Am Film erkennen wir, wie Zeichen, die wir sehen und Begriffe, die wir hören, komplexe
Bedeutungen transportieren.
Wie der Film haben auch die Begriffe in ihrem Gebrauch Mitträger von Inhalten:
In der Geschichte und ihrer Bewertung, ihren Narrativen, in Kultur und Erinnerung, in dem Ort, an dem
Sprache gesprochen wird, in Stimme, Sprecher, Tonfall, Text, gehen wir der Semantik von Sprechweisen
auf den Grund. Alle Mitteilungen, die wir z.B. über visuelle Medien empfangen, auch die Tagesschau, sind
filmischer Herkunft. Wir fragen nach einer Dechiffrierung von für gültig erklärten Sprechweisen, die bis hin
zu unmerklichen Konventionen des Denkens ihre Erklärungen bewiesen haben.
Wir hören aber auch und sehen Sprachen der Kommunikation.
Und eine Sprache der Dichtung, die Unsagbares zum Ausdruck bringt und noch ein Erklingen der Sprach-
losigkeit in uns erwecken kann. Sprache, die uns aufnimmt und empfängt in ihrer großen Umarmung.
Wenn die Sprache das Haus ist, in dem wir leben, wollen wir versuchen, uns diesem Haus auf dem
nächsten Kunstfilmtag von vielen Richtungen aus zu nähern und darin für einen langen, spannenden und
ergebnis-reichen Tag zusammenkommen.
susanne fasbender