
MIT BLICK AUF DEN TON
Der Kunstfilmtag 2009 richtet den Blick auf das Verhältnis von Bild und Ton:
Geräusch, Musik, Sprache, Stille - subtil, leise oder laut: In seiner räumlichen Präsenz schafft der Ton nicht nur eine Verdichtung von Atmosphären und Stimmungen, sondern hat auch die Fähigkeit, das bewegte Bild zu kontrastieren oder zu präzisieren.
Er bildet die Akustik, die die Wahrnehmung und Bedeutung des Bildes wesentlich mit bestimmt. Als ursprünglich autonome Ausdrucksformen gehen Bild und Ton
für die Dauer des Filmes eine Verbindung ein.
Ob synchron, asynchron, parallel oder kontrapunktisch - die Verknüpfung der beiden Rohstoffe Bild und Ton erzeugt etwas Eigenes, Neues als essentielle Ebene jeder audiovisuellen Arbeit. Sei diese Arbeit dokumentarisch, strukturell, essayistisch, poetisch oder performativ: Der/die Künstler/In bestimmt den Modus, die Art, wie sich Ton und Bild zueinander verhalten.
"Als Ana Torfs 2003 nach New York reiste, um auf Einladung der Dia Art Foundation ihr erstes Internetprojekt zu entwickeln, hatte der Irakkrieg gerade begonnen. Als Reaktion darauf nahm die Künstlerin für diese Arbeit eine
historische Anklage gegen den Krieg zum Ausgangspunkt: Hanns Eislers Hollywooder Liederbuch. Der Komponist schuf die lose Folge von Kunstliedern
im Exil zwischen 1938 und 1943 zu Texten unterschiedlicher Autoren. 21 der 47 Lieder sind Vertonungen von Gedichten aus der Feder Bertolt Brechts. Der Freund und langjährige Weggefährte verarbeitet darin Krieg, Verlust und Tod, Hoffnung auf Frieden und auch die alltäglichen Erfahrungen im kalifornischen Exil. Für Eisler war das Material "dunkel" und "witzig" zugleich, also voller Widersprüche ("contradictions").
Die Künstlerin liess diese Lieder von 21 SängerInnen und SchauspielerInnen interpretieren. Torfs bat die Vortragenden um drei verschiedene Weisen der Annäherung ("approximations") an die Lieder. In der ersten Fassung, erreichbar durch Anklicken des Namens, sieht man die SängerInnen zur Klavierbegleitung das Lied im Geiste durchgehen. Der Klick auf die Linie zwischen Namen und Liedtitel führt zu einer gewissermassen "privaten", sehr persönlichen Version, in der auch der Pianist zu sehen ist. Den Schluss bildet der theatralische Auftritt. Hier schauen die Vortragenden direkt in die Kamera, sind frisiert und geschminkt und tragen statt neutralem Weiss passende Kleidung. In dieser Verwandlung der Interpreten von der Person zur Figur wird der Abstand zwischen Schauspieler und Rolle deutlich. Brecht, dessen Auffassung vom Theater für Torfs sehr bedeutsam ist, betonte ihn immer wieder, um einen kritischen Abstand des Publikums zur Illusion der Darstellung und den Inhalten der Stücke zu fördern."
(Quelle: Begleitheft zur Ausstellung im K21)
Ausserdem: Die sehr empfehlenswerte Ausstellung
ALBUM / TRACKS A von ANA TORFS ist bis zum 18. Juli 2010 im K21 in Düsseldorf zu sehen:
http://www.kunstsammlung.de/de/ausstellungen/2010/ana-torfs.html