MIT BLICK AUF DEN TON

Der Kunstfilmtag 2009 richtet den Blick auf das Verhältnis von Bild und Ton:
Geräusch, Musik, Sprache, Stille - subtil, leise oder laut: In seiner räumlichen Präsenz schafft der Ton nicht nur eine Verdichtung von Atmosphären und Stimmungen, sondern hat auch die Fähigkeit, das bewegte Bild zu kontrastieren oder zu präzisieren.
Er bildet die Akustik, die die Wahrnehmung und Bedeutung des Bildes wesentlich mit bestimmt. Als ursprünglich autonome Ausdrucksformen gehen Bild und Ton
für die Dauer des Filmes eine Verbindung ein.
Ob synchron, asynchron, parallel oder kontrapunktisch - die Verknüpfung der beiden Rohstoffe Bild und Ton erzeugt etwas Eigenes, Neues als essentielle Ebene jeder audiovisuellen Arbeit. Sei diese Arbeit dokumentarisch, strukturell, essayistisch, poetisch oder performativ: Der/die Künstler/In bestimmt den Modus, die Art, wie sich Ton und Bild zueinander verhalten.

_CALL Kunstfilmtag 2010

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Deadline: 3. September 2010

UN..SCHÄRFEN DES DOKUMENTARISCHEN


 

Im Jahr 2010 suchen wir nach Videos und Filmen, die sich mit dokumentarischen
Formen beschäftigen. Das Dokumentarische und in diesem Zusammenhang die Frage nach Anschauung und Begriff, nach Verwendung und Quelle, nach dem Kontext und der "Wahrheit" dokumentarischer Bilder, aber auch nach einer Vielfalt seiner Formen stehen im Fokus des diesjährigen Kunstfilmtages.
Die Frage betrifft nicht allein: Nähe oder Ferne zu einer anvisierten Realität, sondern ebenso künstlerische Konzepte, die mit dokumentarischen Bild- und Tonmaterial arbeiten und sich mit künstlerischen, auch nichtdokumentarischen Mitteln auf Realität beziehen.
Ein weites Spektrum von Darstellungsformen, Fiktion, Animation, Musik, Text, Sprache, Poesie - viele Formen finden Anwendung im audiovisuellen Kunstfeld des Dokumentarischen.



Das Dokumentarische als Möglichkeit, als Option auf das Zeugnishafte, wobei jeder Zweifel daran, ob das Reale, die Wahrheit, das Tatsächliche überhaupt darstellbar sind, in die Auseinandersetzung mit eingebunden sein kann: Schaffen dokumentarische Bilder, die geschnitten und montiert, gekoppelt mit Sprach-, Textbild- und Tonebenen, Atmosphären und Rhythmen, neue Fiktionen, sind sie Entwürfe von Realität? Sind sie Abbilder oder Appelle, Vorschläge, Anweisungen zur Betrachtung der Welt? Wie zeigt sich Dokumentarisches in der Kunst?

Es interessieren Äußerungen zur gesellschaftlichen Lage, Szenarien der Realität,
aber auch Details des alltäglichen Lebens, gefundene Situationen und Objekte,
Reflektionen auf das Genre selbst oder eine Auseinandersetzung mit den medialen
Darstellungsformen der Informationsgesellschaft.

“..Die ständige Unsicherheit darüber, ob dokumentarische Wahrheit möglich ist…,
der ständige Zweifel, ob das, was wir sehen, auch mit der Wirklichkeit überein-
stimmt, stellen keinen Mangel dar, der verleugnet werden muss, sondern im
Gegenteil das entscheidende Charakteristikum dokumentarischer Formen.."

"..Das Leben kann nicht so, “wie es ist”, ins Bild eingehen. In dem Moment, indem es Bild wird, hat es sich entäußert und ist zu seinem Anderen geworden. Es ist sein eigener Doppelgänger, gleichzeitig echt und unheimlich, Original und Kopie, real und surreal. Das dokumentarische Leben, wie es ist, kann alles sein, nur nicht es selbst...” *)

Wir freuen uns für den nächsten Kunstfilmtag auf eine vielfältige Auseinander-
setzung mit dem Dokumentarischen in Videokunst und Künstlerfilm.

Kunstfilmtag 2010: 6. November 2010, im Theatersaal des Künstlerverein Malkasten, Düsseldorf

Einreichungen ab Mai,  Deadline ist der 3.9.2010

Länge: maximal 12 Minuten, das Produktionsjahr ist völlig frei.


 

Das Bild zeigt Polizisten, die Demonstranten bei einer Demonstration gegen
die npd filmen, am 4.1.2006. Veröffentlicht unter "public domain"

*) aus Hito Steyerl: "Die Farbe der Wahrheit", Verlag Turia und Kant, 2008